12 Juni 2011

Pfingstpredigt

Johannes 16,5-15


Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat;
und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.
Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.
Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.
Und wenn er kommt,
wird er der Welt die Augen auftun
über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;
§        über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
§        über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;
§        über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen;
aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird,
wird er euch in alle Wahrheit leiten.
Denn er wird nicht aus sich selber reden;
sondern was er hören wird, das wird er reden,
und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen;
denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein.
Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.

Liebe Schwestern und Brüder,

das ist das Wunder von Pfingsten, das ich jedes Jahr
meinen Kindern in der Schule erzähle.
Zuvor waren sie noch eingeschlossen,
eingeigelt: die ganze Nacht;
aber am Morgen überkommt sie dieses eigentümliche Rauschen,
wir sprechen ja auch von Begeisterung, als wäre
es so etwas wie ein Rausch.

Als Petrus aus dem Haus tritt, ist die Depression vorüber.
Es fällt von ihm ab -
vielleicht sogar genau in diesem Moment.
Zumindest wird es ihm da bewusst.
Und zugleich spürt er,
was vorher gewesen ist:
spürt den Unterschied.
Merkt es an der Veränderung, die ihn jetzt ergreift.

Und man sieht es ihm an,
objektiv.
Offensichtlich:
spürt man ihm ab - wie er sprüht.
Und wie das Wunder geschieht:
Dreitausend auf einmal ließen sich taufen.

Der Geburtstag der Kirche geht auf drei Erfahrungen zurück.
Der Geburtstag der Kirche antwortet auf eine vierfache Not.
Der Geburtstag der Kirche öffnet die Türen - endgültig.

Sprechen wir von den drei Erfahrungen:

§        Wir erleben, dass Menschen freveln, obwohl seit Golgatha die Sünde besiegt ist.
§        Das Gefühl der Gottverlassenheit bleibt, obwohl Jesus auferstanden ist. Und
§        Es scheint immer noch so, als würde die Welt von einem Andern regiert.

Und die vierfache Not:

§        Beim Frevel spricht man von Frivolität - das ist die erste Not.
§        Das Gefühl der Gottverlassenheit ist die zweite Not.
§        Und diese ständige Fremdbestimmung. Du bist angewiesen auf Gutachter
in der Politik, in der Technik, ja sogar im persönlichen Leben:
es kommt darauf an, was dein Arzt dir rät,
dein Ehepartner, und wenn du alt wirst deine Kinder.
Es muss gar nicht der Teufel sein; aber dein Leben ist mindestens zur Hälfte fremdbestimmt.

§        Und wenn du einen Ausweg suchst:
Egal wie du es drehst und wendest: Du bleibst auf die Hilfe Gottes angewiesen.
Das ist die vierte Not: Du willst dein Leben in die eigene Hand nehmen,
und bleibst doch letztlich hilflos.

Wir haben es beim letzten Abendspaziergang gespürt, beim Männertreff:
Da sind zwar gute Ansätze, aber werden sie nicht schön gerechnet, schöngeredet:
Wer will überprüfen, was die Stadtwerke auf ihre Tafeln schreiben!?
Ist die Ökologie tatsächlich so groß, wie sie geschrieben wird?
Herr Baier hat uns vorgerechnet: 700 Haushalte werden angeblich mit Energie versorgt.
Lass mal alle Herde in der Waldstadt zur Mittagszeit anspringen;
die Biogasanlage ist schnell erschöpft.
Und erneut beginnt die Suche nach einem Ausweg.

Sind die Phantasien des Geistes nicht längst ausgeschöpft!?
Wer denkt heute noch in jenen Fiktionen, mit denen einst Jules Verne
zum Mittelpunkt der Erde und um den Mond reisen wollte,
von menschlichen Kolonien auf dem Mars ganz zu schweigen:
Sciencefiction hat ausgedient;
die Voyager-Mission wird eingestellt.
Die Erdbevölkerung erreicht noch in diesem Jahr die 7 Milliarden-Grenze.

~~~o~~~

Ist das eine Lösung, dass wir uns auf Geistliches beschränken?
Ist das eine Lösung, dass wir die Weltprobleme ignorieren?
Ich gebe zu, es war für mich über viele Jahre eine der angenehmsten Versuchungen:
„Wir leben für den Himmel; die Erde interessiert uns nicht.“
„Politik ist ein schmutzig; Gottes Wille ist Heiligkeit.“

Ich war lange Zeit beeindruckt von dieser frommen Parole,
Politik habe mit Religion nichts zu tun,
wenn wir beten, dann täten wir
die Augen schließen und nach innen gucken,
in die Seele - letztlich in den Himmel hinein.
Gott zieht sich zu sich hin - alles Irdische wird gleichgültig.
So sah für mich lange Zeit Pfingsten aus.

Und dann erschien Roland Reagans Buch gegen die Abtreibung.
In einem christlichen Verlag.
Der diese Trennung propagierte.
Da war es offensichtlich:
Wer die Politik aus dem Glauben heraus halten will,
meint mit Politik nur immer das, wo er selbst dagegen ist.

Oft gehen die Argumente gegeneinander.
Ich kann jeden verstehen, der heute noch sagt:
„Wir wollen in der Kirche kein Parteien-Gezänk.“
„Wir haben eine andere Botschaft.“
Aber der Geist - sagt Jesus - wird euch in alle Wahrheit leiten.
Nicht nur den Durchblick geben im geistlicher Hinsicht:
Auch Klarheit in irdischen Dingen.
Es ist eben nicht so, dass es eine göttliche Wahrheit gäbe,
die jenseits aller Auseinandersetzungen liegt.
Jesu Geist ist all umfassend.
Dringt in jede irdische Ecke ein.

~~~o~~~

„Denn von dem Meinen wird er’s nehmen“, sagt Jesus.
Kennen sie irgendeine Ecke in Ihrem Haus, in der keine Luft ist?
Mag sein, dass das Licht der Flurlampe nicht mehr hinter die Garderobe leuchtet.
Aber die Luft ist auch in der Ritze hinterm Schlafzimmerschrank.
Du wirst jetzt nicht ständig den Schlafzimmerschrank vor rücken.
Aber wenn du es tust, wirst du sehen:
Auch dahinter ist Leben - und Spinnweben.

Versteht ihr:
Gottes Geist dringt jede Ritze hinein.
Die Luft, die uns umgibt - ein Bild für Gottes Geist.
Nichts ist dem Geist ähnlicher als die Luft, die uns umgibt:
Es heißt im Anfang sei der Mensch ein Erdenkloß gewesen.
Aber dann hat Gott tief eingeatmet
und dem Tonzwerg in die Nase geblasen.

Ein lustiges Bild.
Alles ist dran:
Die Finger, die Nase, der Po,
handwerklich geschickt geformt;
aber er bewegt sich nicht!
Da ist kein Blut drin!
Kein Leben.
Und dann pustet Gott.
Und die Puste - das ist der Geist.

An Ostern:
Die Jünger waren ängstlich, eingeschlossen.
Jesus tritt durch die verschlossene Tür:
„Nehmt hin heiligen Geist“, und dann bläst er.
Nimmt ihnen die Furcht.
Schenkt Glauben.
So etwas wie einen Vorschuss.
Aber eben auch: Atem.
Der Geist ist Jesu Atem.

Deshalb find ich es so toll, eine Atemübung zu machen.
Das ist wahnsinnig:
Mit der richtigen Anleitung kannst du
einen klaren Kopf kriegen,
Schmerzen weg kriegen,
grad stehen, die Wirbel aufrichten.
Aber was an Pfingsten passiert, das ist noch um Einiges schärfer als Atemübung.
Das ist mehr als Wellness,
mehr als Therapie.

~~~o~~~

„von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein“
Und: „Er wird mich verherrlichen.“
An Pfingsten wird Jesus neben Gott gestellt.
Und zwar deutlich sichtbar.
Vorher war er ein Mensch.
Und seine Mutter, Maria, hat gewusst: Er ist ein besonderer Mensch.
Sie hatte ja die Nachricht vom Engel Gabriel:
„Das Kind, das in dir ist, das ist vom Heiligen Geist.“
Aber die Menschen wussten das nicht:
„Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“ Und:
„ist er nicht Josefs und Marias Sohn,
wir kennen doch seine Brüder und Schwestern!“
An Pfingsten wird deutlich: Diese Schar von verrückten Juden,
die sich da auf Jesus eingelassen haben,
dieser schüchterne, verängstigte Haufen,
da fährt Gottes Wind hinein.

Solches Brausen hat man in Jerusalem gekannt.
Zumindest hat man davon gelesen.
Nach der Überlieferung war es eine Feuersäule gewesen
und des Tags eine Wolke - Gottes Gegenwart, in der Wüste.
Und als Mose das Zelt gebaut hatte,
genau wie Gott ihm aufgeschrieben hatte,
da war die Wolke in die Hütte eingezogen:
Gott ist gegenwärtig, die Schechinah.
Als König Salomo den Tempel vollendet hatte,
und zur Einweihung das Gebet sprach,
da sei die Schechinah vom Himmel herab gestiegen:
„Hier wohne ich.“
„Hier bin ich gern.“

Und an diesem Pfingsttag,
kam die Schechina:
nicht in den Tempel - sondern in diesem Haus,
in dem die verängstigte Schar der Jünger saß.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“
Gottes Tempel, das ist diese Hausgemeinde.
Der Ort, wo meine Ehre wohnt.

~~~o~~~

Und da werden die Gedanken klar.
Petrus streckt sein Rückgrat und tritt aus dem Haus.
Da sammeln sich die Wirrungen in seinem Gehirn
und kristallisieren sich zu klaren Gedanken.
Da geht ein Ruck durch sein Herz
und die Zunge rührt sich:
klare, wohl überlegte
Worte der Erkenntnis.
Versteht ihr: Der Fischer vom See Genezareth,
der Mann, der durch Jesu Glaubensschule gegangen ist,
der Herzensgebildete spricht jetzt klare Worte.

Spricht mit jenem Temperament, das schon oft mit ihm durchgegangen ist,
Spricht mit demselben Mut, den er schon zu Lebzeiten Jesu hatte.
Aber jetzt spricht er klar und deutlich.
Der Geist durchdringt Herz und Verstand.

„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird,
wird er euch in alle Wahrheit leiten.“
Der Geist war kein spirituelles Erleben.
Er war ein Zeichen am Himmel und im Herzen zugleich.
Und was dazwischen gekommen ist:
Zwischen Erde und Himmel,
das ist die Kirche.
Nicht der Tempel,
nicht das Gotteshaus,
sondern der Ort, wo man klare Gedanken spricht.

~~~o~~~

Der Atem Gottes hat die Gestalt der Wahrheit.
Und Wahrheit ist immer mehr, als wir schon wissen.
Wahrheit überkommt dich, überrascht dich.
Manchmal verbirgt sie sich, wie die Spinnweben hinter der Wand.

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat;
und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
Du kannst nicht alles hinterfragen.
Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.
Du hast genau gespürt, da ist noch etwas.
Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.
Und dann ereignet sich die Wahrheit:
Du hast dir eingeredet, es muss so sein.
Aber jetzt weißt du: Es gibt noch etwas,
das größer ist und schöner als Melancholie und Zufriedenheit.
Anregend für Herz und Verstand
- und so schön, als wäre Jesus selbst bei dir. Amen.

04 Mai 2011

MSo Waldstadt 2010
„Das wird ja immer schöner!“ Erstaunt schaut der Gipser auf. Im Vorbeifahren sehe ich, welche Mühe sie sich geben, um den Neubau schnell fertig zu kriegen. Ich sage nichts darüber, dass mir das Haus an dieser Stelle etwas überdimensioniert erscheint. Die Baugenehmigung haben Andere erteilt. Aber schön wird es im Neubaugebiet. Nicht nur die Fassaden, auch die Gärten erhalten ihren Schliff.

Nicht nur in Neckarburken, auch in der Waldstadt werden Häuser renoviert, neue errichtet, Gärten angelegt. Der Frühling trägt seinen Teil dazu bei: unser Planen wird von der Kraft der Natur unterstützt.

Dabei ist es nicht nur der Wunsch nach Perfektion, der uns zur Schönheit streben lässt. Wir haben ein Bedürfnis nach Schönheit, ein Gespür für das, was vollkommen ist. Der Samen der Heiligkeit ist in uns gelegt. Und auch für das Wachstum sorgt Gott.


Miriam Saß, Pixelio
 Was mir manchmal Sorge bereitet: Dass Menschen im „klein-klein“ bleiben und sich eine „Arme Sünder“-Mentalität aneignen. Das ist nicht Gottes Wille. Klar: wir werden nie perfekt werden. Und wenn wir uns versteigen, sorgt schon die Natur für die nötige Demut. Aber dass es schöner wird, dass wir unser Umfeld pflegen, das liegt durchaus in der Fluchtlinie Gottes, der uns auch dazu ermutigt.

„Das ist Gottes Wille, eure Heiligung“, der Satz aus einem der ältesten Briefe des Apostels Paulus gehört zum Urgestein unseres Glaubens. Schöner werden, wie das grüne Laub eines Baumes. Nicht höher, nicht größer, sondern intensiver. Dazu kann nicht nur der Frühling uns führen: Der Geist weht zu allen Jahreszeiten.

24 Februar 2011

„Mose meißelt Maßstäbe“. Geistlicher Narrenspiegel in Kurzform

Narrentreiben allenthalben. Lasst uns Glaubensnarren sein!

Mit Talaren und mit Alben sehn wir in den Spiegel rein.



Was in unsrer Welt passierte, mancher gerne kommentiert.
Unsren Worten fehlt die Würde, wenn die Tugend man brüskiert.

Sprecht vom Glauben, sprecht vom Leben, von der Sünde, vom Vergeben,
doch vergesst den Maßstab nicht, wonach Gott uns ausgericht’t!

Mose meißelte in Stein Maßstäbe für’s Leben ein.
Doch am Anfang stand der Geist, der die Freiheit uns verheißt.

Aus der Sklaverei geführt, aus der Not die sie berührt,
das stand für sie vornean. Heute wird das abgetan.

Freiheit, sagt man, gäb es nicht. Setzt dagegen stets die Pflicht,
sich mit Unrecht auszusöhnen, an den Kompromiss zu g’wöhnen.

Dass Gebote funktionieren, wenn wir uns nicht mehr genieren
Freiheit radikal zu denken, keinen Menschen einzuschränken,
auch durch die Gebote nicht: Dann verwandelt sich die Pflicht
in ein unbändiges Streben nach dem Gottgeschenkten Leben.

Das ist geistlich, das ist Freude, wenn die Zehn Gebote heute
Ehr und Anstand uns bescheren statt ins Gegenteil zu kehren,
was Gott eigentlich gedacht, als die Tafeln er gemacht.

Als vor einem Jahr genau eine sehr beliebte Frau
nach dem zweiten Gläschen Wein mit dem Auto kehrte heim,
hielt die Polizei sie an, unversehens war sie dran.

Sie ist dann zurückgetreten hat die Würde abgegeben,
das war ehrbar, das war klug. Das war vorbildhaft genug.

Denn die Würde kehrt zurück, nimmst du klar in deinen Blick,
wo ein Fehltritt dir geschah, und die Konsequenzen ziehst,
nicht auf eignen Vorteil siehst, ist auch die Vergebung nah.

Wenn du falsche Schlüsse ziehst und berechnest deine Reue;
in geübter Bauernschläue vor dem Volk zu Kreuze kriechst:

Merke: Gott lässt sich nicht blenden. Wage nicht, ihn zu verwenden
als Vergebungsautomat. Strafe folgt dir auf die Tat:

Das Vertrauen ist zerstört, deine Ehre nichts mehr wert.
Dann hilft auch der Geist nichts mehr. Und die Freiheit wird dir leer.

Drum beginne, zu studieren, und das Leben zu riskieren.
Wenn den Spiegel du betrachtest, schau dass du den Maßstab achtest!

03 November 2010

Mittagsgebet

zur Tageslesung Offenbarung 8, 6-13


Gott, du lässt uns Ruhe finden bei dir und sprichst mit uns

Alles wollen wir abgeben an dich,

alles, was uns quält und sorgt,

was uns die Ruhe nimmt und Schmerzen bereitet.

Nimm in deine Hände,

was trennend zwischen uns steht,

schaffe Erleichterung von belastender Schuld,

von ängstigenden Fehlern.

Dir lass uns heute zuhören,

weil wir Trost brauchen,

weil unser Leben beschwert ist von eigenem Leid

und dem Wahrnehmen der Traurigkeit in unserer Welt.

Deines Zuspruchs bedürfen wir,

deiner liebenden Zuwendung, um aufrecht weitergehen zu können,

und darum bitten wir dich um deine spürbare Nähe.

Halte du segnend und behütend deine Hände über uns

und über die Menschen deiner Welt.



INA TEMPEL

29 Oktober 2010

mit Herzblut gepredigt

Römer 3, 21-28:
Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes
die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt,
offenbart,
bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.
Ich rede aber von der
Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt
durch den Glauben an Jesus Christus
zu allen, die glauben.
Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder
und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,
und werden ohne Verdienst gerecht
aus seiner Gnade
durch die Erlösung,
die durch Christus Jesus geschehen ist.
Den hat Gott
für den Glauben
hingestellt
als Sühne
in seinem Blut
zum Erweis seiner Gerechtigkeit,
indem er die Sünden vergibt, die
früher
begangen wurden
in der Zeit seiner Geduld,
um nun in dieser Zeit
seine Gerechtigkeit zu erweisen,
dass er selbst gerecht ist und gerecht macht
den, der da ist
aus dem Glauben an Jesus.
Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen.
Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein,
sondern durch das Gesetz des Glaubens.
So halten wir nun dafür, dass
der Mensch gerecht wird
ohne des Gesetzes Werke,
allein durch den Glauben.

Predigt jetzt auf http://shalomluther.de/html/reformation_und_gesetze.html

22 Oktober 2010

Nebel gelichtet

Die grauen Nebel hat das Licht durchdrungen und die düstern Tage sind dahin, …

So beginnt ein Lied, das wir als Jungschargruppe gern gesungen haben. Der Refrain war als Einladung formuliert: Komm, komm, lockt der Schritt, komm Kamerad, wir ziehen mit.

Ich war Neun, als ich zum ersten Mal in die Jungschar gehen durfte. Gern erinnere ich mich an neblige Tage, an denen wir unter dem Baum am Baggersee saßen. Unser Jungscharleiter ist inzwischen verstorben. Das Vermächtnis, einladende Gemeinde und eine offene Gesellschaft zu sein, hat er uns mitgegeben.

Inzwischen wurde mancher Nebel gelichtet. Die Emanzipationsbewegung hat selbst unsere Eltern aufgeklärt. Meine kindliche Angst vor schwarzhäutigen Soldaten aus Frankreich und Amerika löste sich durch deren Freundlichkeit und die Worte meiner Eltern. In der Gemeinde lernten wir „Gastarbeiter“ aus Italien als Freunde begrüßen. Später waren es Kirchengäste aus Afrika und Asien; Freundschaft bedeutete, dass wir uns bemühten, ihre Speisen zu genießen und ihre Sprache zu sprechen. Heute begegnen uns die Muslime in der Moschee in wahrhaft biblischer Gastfreundschaft.

Mit dem Schulabschluss und zu Studienbeginn lichteten sich neue Nebel: Bei den Befreiungsbewegungen wie den Widerstand im Wyhler Wald und die Sitzblockaden gegen die Pershing-Raketen sind damals Mitchristen und Nichtchristen gemeinsam auf die Straße gegangen; deren „Grundwerte“ deckten sich mit biblischen Motiven: Selbstbestimmung, Frieden und Gastfreundschaft, mit allen finanziellen und persönlichen Konsequenzen.

Heute scheint sich mir der Nebel wieder zu verdichten: „die müssen unsre Sprache lernen“ ist eine der Taktlosigkeiten gegen Ausländer. Atommüll wird bagatellisiert und Militarismus feiert fröhliche Urständ, längst über-wundene Vorurteile gegen Arme werden neu geschürt.

So schön der Herbst auch sein mag: Nach der Frühlingsblüte christlicher Werte hatten wir eigentlich keinen Winter, sondern eine volle Ernte erwartet. Zur Trauer über den kulturellen Verlust geben uns die politischen Feiertage des November Anlass: St Martin, Volkstrauertag und Buß- und Bettag helfen uns als Kirche, die alten Werte neu einzupflegen.

22 September 2010

Bewahren

Eine Legende erzählt, im Nordosten des Badischen Landes habe sich eine Protestbewegung gegen die Vergiftung der Felder mit Cadmium gebildet. Mitte des 21. Jahrhunderts habe die Industrie ein neues Düngemittel erprobt. Der weltweite Vorrat an Phosphaten war längst erschöpft. Der Bedarf an Biokraftstoff hatte dazu geführt, dass die Felder nicht mehr genug Ertrag abwarfen; die Konferenz der Landwirtschaftsminister hatte große Summen in die Erforschung des neuen Wachstumsmittels gesteckt. Fabriken waren mit Fördergeldern gebaut worden, die erst später, durch die Erträge wieder erwirtschaftet werden sollten.

Kluge Köpfe hätten herausgefunden, dass die alte Bauernweisheit, ein wenig Gift habe noch nie geschadet, zu Krankheit und frühem Tod führt. Außerdem wurden im Produktionsprozess auch noch radioaktive Stoffe angereichert. Gutachter stand gegen Gutachter. Die Industrie hatte Professoren der Universität Hohenheim mit hohen Forschungsgeldern ausgestattet; das Land Baden-Württemberg war führend in der Produktion dieser Agrartechnik; aber auch die Gegner hatten Gutachter von hohem universitärem Rang auf ihrer Seite.

Am Ostermontag kam es in Boxberg zu einem Aufmarsch von Naturschützern, der mit Polizeigewalt auseinandergetrieben worden war. Hunderte waren kurzfristig in Stammheim inhaftiert und mussten mangels triftiger Anklagepunkte nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt werden. BILD beschimpfte die Naturschützer als Extremisten; der FOCUS bezeichnete sie als Nestbeschmutzer. Der Pfarrer von Rosenberg, der die Demonstranten mit Gebet und Segen begleitet hatte, wurde zum Rückzug aufgefordert: er habe sein Amt missbraucht und die politische Neutralität der Kirche verletzt.

Die Kirchenleitung allerdings erinnerte an den Konziliaren Prozess „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“, der einst im 20. Jahrhundert durch den konservativen Politiker Carl Friedrich von Weizsäcker ins Leben gerufen worden war: Damals seien ebenfalls Pfarrer mit ihren Gemeinden auf die Felder gezogen um gegen Kernkraftwerke und die Verschmutzung des Rheins zu kämpfen. Man kannte den hohen theologischen Sachverstand des Theologen und schätzte sein Organisationstalent. Deshalb wurde er kaum sieben Jahre später zum Baden-Württembergischen Bischof gewählt.

14 September 2010

Threads in Kashmir

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21)

Gott, du Zuflucht aller, die dich suchen,
du Gott, Vater und Mutter aller Menschen,
wir stehen vor dir mit unserer Ratlosigkeit und mit unserer Ohnmacht angesichts der Übergriffe an unseren Geschwistern im Glauben in Kaschmir und in vielen anderen Orten auf der Welt. Wir tragen vor dich ihr Leid und ihre Sorgen.

Sieh auf das Unrecht, das ihnen widerfährt und schenke ihnen deine Nähe.
Sei mit Ihnen in ihrer bedrohlichen Situation und stärke sie.
Gott der Versöhnung, wir beklagen, dass Hass und Intoleranz deiner Botschaft der Liebe, des Friedens und der Versöhnung entgegenstehen.
Öffne das Herz aller Menschen für das Leid, das sie anderen antun. Hilf uns in unseren Handlungen besonnen zu sein und das Böse mit Gutem zu überwinden.
Hilf uns auch, nach den Ursachen des Unfriedens in unserer Welt zu suchen und uns für hilfreiche Veränderungen einsetzen.

J. Thonipara, Zentrum Ökumene, Frankfurt

02 September 2010

Qualität aus Gnade

„Bleib du lieber in deiner Kirche“ – hieß es im diesjährigen Programm der MOSkitos. Der Hintergrund dieses Rates an eine Katholikin: Die Evangelischen haben was geschafft; sie sind Modellregion für ganz Deutschland geworden, vielleicht sogar „vun de ganze Welt!“

Leistungsdenken in der Kirche? „Wir sind wer!“ „Wir sind stolz auf das was wir geschafft haben?“ Wir Pfarrer nicht. Und wir wissen, wären wir es, wäre das Ziel verloren. Denn nicht wer stark ist, hat Qualität, sondern wer um seine Schwächen weiß. So jedenfalls formulierte die Unternehmensberaterin Regina von Diemer in ihrem Vortrag bei der Eröffnung des Instituts für Qualität des Gottesdienstes in Hildesheim: „Fehler eingestehen ist ein Qualitätsmerkmal“ – wer hingegen anderen nur erzählt, wie toll er ist, der hat den Tod schon im Topf.

Mit diesem „evangelischen“ Ansatz begeben wir uns auch auf die Suche nach den Stärken unserer gottesdienstlichen Landschaft. Nicht Leistung macht unsere Identität aus, sondern die Freude am Gestalten. Wir leben auch als Gottesdienstgemeinde von Gottes Gnade. Und gerade dort, wo unsere Schwächen liegen, freuen wir uns am Erfindungsreichtum der Anderen, lernen voneinander, jeder mit seinen Fähigkeiten, Gaben, Vorlieben und Interessen.

Als der Apostel Paulus sich Gedanken darüber machte, warum er nicht bei allen Menschen beliebt sei, hörte er sogar die Stimme Gottes, die ihm persönlich sagte: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Und seine persönliche Konsequenz war: „Ich will mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Ich bin ein Narr geworden!“ (2. Korintherbrief, Kapitel 11, Verse 9-11)

Es ist gut, ein MOSkito zu sein. Es ist schön ein Christ zu sein. Und auch Pfarrer zu sein, ist ein Gewinn. Kabarettisten, Narren und Prediger: vereinigt Euch!

Das Jahr spielt verrückt

Gott, gib uns Leben und segne uns,
sei uns selbst erhellendes Licht!
Damit die Welt deinen Weg erkennt
und alle Völker deine rettende Hilfe.
Die Länder sollen sich freuen und jubeln,
denn du gibst der Welt ein neues Recht.
Du hilfst den Völkern zu Gerechtigkeit
und den Ländern der Welt zu neuen Maßstäben.
Danken sollen dir, Gott, die Völker,
alle Völker sollen dir danken.
Gott segnete uns,
die Ernte wird sichtbar,
zur Hoffnung für die ganze Welt.

Psalm 67 nach Annette und Wolfgang Armbrüster

Das Jahr spielt verrückt:
nach 2003 der wärmste Sommer; das Frühjahr verregnet.
der Weizen hat kaum Wurzeln geschlagen, berichtet der Bauer.
wird die Ernte ausfallen oder gut ausfallen?

Uns scheint das ja kaum noch zu berühren. Zumindest haben nur Wenige von Uns Zugang zur direkten Arbeit des Landwirts. Wir spüren es lediglich im Folgejahr an den preisen für Mehl, Äpfel, Brot. Und dann kommt es wieder: Die Sehnsucht nach einer guten Ernte.

Noch können wir ausgleichen: was hier nicht geerntet wurde, wird impor-tiert: Aus Neuseeland, Spanien, Südafrika. Was aber, wenn unsere Land-wirte ausgewirtschaftet, wenn die Erntemaschinen stillgelegt, die Sommer für alle Zeiten der Arbeitspause geworden sind?

Wir wünschen unseren Feldern Gottes Segen, ebenso wie den Feldern in der weiten Welt. Wir wünschen uns, dass unserer Hände Arbeit uns und unsere Kinder weiter nährt. Wir bitten Gott um seinen Segen für diesen Sommer, den Herbst und für die kommenden Jahre. Hier und in aller Welt.

07 Mai 2010

Gebet und Respekt - was Politiker denken

„Das Gebet ist die stärkste Macht, die wir als Christen ins Feld führen können“ – so die Überzeugung des SPD-Politikers Gerhard Nelius, der im ökumenischen Männertreff der Waldstadt – zu dem immer auch Frauen kommen – seinen Vortrag über die Gerechtigkeits-Tradition in Bibel und Politik hielt. Seit 1972 ist Gerhard Nelius in der SPD (Anlass war damals die Diskussion um den Schüler-BaFöG), seit 1983 wurde er Kirchengemeinderat, ein Jahr später zum Stadtrat gewählt; 2006 übernahm er ein Mandat im Landtag. Sein stärkstes Motiv entnimmt er einem prophetischen Text aus dem Jeremia-Buch: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie.“ Die Christen beteten für Nero, der sie verfolgte; Jesus betete gar für den Verräter.

Überschrieben hatte er das Herz seines Vortrags mit dem Motto „Anfechtungen und Hoffnungen“. Die größte Anfechtung eines Politikers sei es, die Religion als Stimmenfang zu benützen. Die Tendenz, den politischen Gegner in der Öffentlichkeit schlecht zu machen sei eines der Probleme. Andererseits erfahre auch der Politiker durch den Glauben Entlastung: Wenn du mit Gott rechnest, relativiert dies dein eigenes Handeln.
Die religiösen Wurzeln der SPD ordnete Nelius dem religiösen Sozialismus zu, der 1926 vom Pforzheimer Pfarrer Eckert in Meersburg begründet wurde. Bekannte Theologen wie Paul Tillich hätten sich dieser Bewegung zugeordnet. Im Godesberger Programm, das in seiner Jugendzeit in der SPD gültig war, sei ein gutes Verhältnis zu den christlichen Kirchen zu erkennen gewesen. Auch heute gebe es in der SPD den Bietigheimer Tag, an dem jedes Jahr das Gespräch zwischen evangelischer Kirche und Sozialdemokratie gepflegt werde.

Das letzte Referat im Rahmen des ökumenischen Männertreffs hielt Christine Denz. Ihr Thema: „Schöpfung bewahren – die religiösen Wurzeln der Grünen“. Die Kommunalpolitikerin, die 2009 auch für den Bundestag kandidiert hatte, erlebte ihre politische „Bekehrung“ 1986 nach der Katastrophe von Tschernobyl. Die biblischen Begriffe Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind ihr weltweiter Zusammenklang sind ihr persönliches Leitmotiv. In diesem Dreiklang aus dem konziliaren Prozess der 1980er Jahre lägen auch die religiösen Wurzeln der Grünen.

Als Pädagogin liegt ihr die Gerechtigkeit im Schulsystem am Herzen; die Grundschule müsse aufgewertet, gleiche Startchancen für alle Menschen gegeben werden. Zur Gerechtigkeit gehöre für ihre Partei auch die Emanzipation der Frau. Aufgabe der Politik sei es, Menschen in ihrer Verschiedenheit Gehör zu verschaffen und Wege zu finden, wie allen Anliegen Gerechtigkeit widerfahre. So lehnte sie eine einseitige Betonung der Abtreibungsfrage ab, zeigte jedoch großes Verständnis für Menschen, die sich gegen die Tötung anderer Menschen engagieren: Die Lebensbedingungen müssten auf allen Ebenen verbessert werden.
Als junge Frau ließ sich Frau Denz in das Leben einer christlichen Gemeinde einbinden. Sie fand dort glaubwürdige Vorbilder. Dennoch hat sie schmerzlich weibliche Vorbilder in der Bibel und im kirchlichen Leben vermisst; den Rückzug von Margot Käßmann bedauert sie sehr. Vor allem meint sie, Kirche müsse sich gesellschaftlich und politisch mehr einmischen.

Die Reihe des Ökumenischen Männertreffs wird abgeschlossen mit einem Gesprächsgottesdienst am Sonntag nach dem internationalen Tag der Arbeit. Mitgebrachte Speisen der Teilnehmer ermöglichen es, nach dem Gottesdienst im Gemeindezentrum zu verweilen und die Anregungen des diesjährigen Männertreffs weiter zu bedenken. Beginn ist am 2. Mai in der Waldstadt um 10.30 Uhr.

15 März 2010

Männertreff Waldstadt Bericht und Neuankündigung (FDP-CDU- - -)

Freiheit und Verantwortung sind nach Dr. Klaus Ludwig die höchsten Guter einer liberalen Gesellschaft. Der Mosbacher Arzt und Kreisrat der FDP referierte beim ökumenischen Männertreff der Mosbacher Waldstadt vor einer großen Zuhörerschar. Dabei musste er sich auch kritischen Fragen stellen, etwa nach der Kopfpauschale im Gesundheitswesen. Es gelang ihm, die provozierenden Äußerungen des Bundesvorsitzenden zur Arbeitspolitik in den Rahmen bürgerlicher Wertvorstellungen zu setzen, welcher Arbeitsverweigerung und Null-Bock-Mentalität ein Gräuel sind. Zustimmung erntete er mit seinen nachdenklicheren Vorschlägen, die zum politischen Grundbestand seiner Partei gehören: Die Vereinfachung des Steuersystems bedeute Steuerbefreiung für den Niedriglohn-Bereich; ein „Bürgergeld“ für Menschen, die beispielweise ganz für ihre Kinder da sein wollten und deshalb freiwillig aus der Erwerbsarbeit ausscheiden, lasse sich durch Umlagen finanzieren.
Dass er die Leistungen des Staates vor allem in den Bereich von Straßenbau und Medizin lenken wollte, wurde von Pfarrer Sommer mit dem Hinweis auf die biblische Tradition ergänzt: Dort sei die Steuer vor allem für den Schutz von Witwen und Weisen, also im sozialen Bereich eingesetzt worden. Theologisch holte Dr. Ludwig weit aus: In der vollkommen freien Entscheidung Gottes, sich als Mensch auf Erden zu zeigen, liege die religiöse Wende zur Humanität; die Rede vom Menschen als Ebenbild Gottes drücke die Würde des Menschen aus: Den jüdisch-christlichen Wert, der unaufgebbar sei. Angefochten und zerbrechlich sei er durch das Recht zu schützen. Dabei ging der Referent allerdings davon aus, dass grundsätzlich jeder Mensch „zum Wohl aller bindungswillig“ sei.
Der Ökumenische Männertreff in der Mosbacher Waldstadt - zu dem immer auch Frauen kommen - hat sich dieses Jahr das Thema gestellt: „Was heißt es als Christ Politiker zu sein?“ Worin liegen die Aufgaben, die wir als Christen in der Gesellschaft haben; lasst uns doch einmal Menschen fragen, die sich bewusst als Christen in politischen Ämtern verstehen, war die Ausgangsfrage.
Der zweite Gast wird der CDU-Vertreter unseres Wahlkreises Peter Hauk sein. In Ripberg im Odenwald aufgewachsen, wurde er als Vertreter der Jungen Union bereits 1992 in den Landtag gewählt. Von 2005 an war er Minister für den ländlichen Raum, bis er im Februar das Amt des Fraktionsvorsitzenden übernahm. Peter Hauk war Aktiv in der katholischen Jugendarbeit, viele Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderats und ist bis heute als ehrenamtlicher Organist beteiligt an der Gestaltung von Gottesdiensten in Hemsbach, der ältesten Kirche im Neckar-Odenwald-Kreis. Dem Thema „Catholisch, Christlich, Conservativ - Was meint das C der CDU?“ stellt er sich am Mittwoch dem 17. März im evangelischen Gemeindezentrum in der Tarunstraße um 20 Uhr.

03 März 2010

Diakonieladen Mosbach

Der Diakonieladen am Engelsplatz ist ein Geschenk für die evangelische Kirche in Mosbach und im Elztal. Betrieben wird er künftig gemeinsam mit dem Diakonischen Werk in Mosbach; die Sozialarbeiter der Diakonie haben das Projekt entwickelt. Federführend ist der stellvertretende Leiter des Diakonischen Werks Guido Zilling. Unser Ziel ist es, in einer neuen Weise die gemeindliche Arbeit mit dem diakonischen Auftrag der Kirche zu vernetzen. Und der evangelische Oberkirchenrat honoriert diese Initiative mit einem besonderen Zuschuss im Zuge der Bonuszahlungen für besonders zielgerichtete und zukunftsweisende Gemeindearbeit. Die Vernetzung wird auf mehreren Ebenen angestrebt:
  1. die Verantwortung wird vom Diakonischen Werk übernommen, aber die Pfarreien werden nicht aus der Pflicht entlassen.
  2. auf längere Sicht werden neue ehrenamtliche Mitarbeiter motiviert, die sich bislang noch nicht engagiert haben. Dies kommt wiederum den gemeinden zugute, förert aber auch das Miteinander in der Region.
  3. der Diakonieladen bietet Raum für gemeindliche Veranstaltungen im kleinen Rahmen: Gedacht ist an „kleine“ Konzerte, Buchvorstellungen, Vorträge.
  4. direkt aus der Fußgängerzone begehbar bietet der Laden zugleich Informationen über Aktivitäten der Pfarreien; er dient als Lifaß-Säule, Schaukasten, als niedrigschwelliges Kirchenfenster.

Eine kleine aber feine Einrichtung in unserer Kleinstadt-Metropole, die uns allen gut tun wird. Dazu schreibt uns Guido Zilling: "Hierfür werden Warenspenden benötigt: Wer Kleidung und Bücher spenden möchte, kann diese beim Diakonischen Werk in Mosbach abgeben. Darüber hinaus werden ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht, wer mithelfen möchte, wendet sich bitte an Guido Zilling beim Diakonischen Werk in Mosbach."

 

Badische Modellregion Mosbach

Nun ist Mosbach auch in religiöser Hinsicht Modellregion geworden. Die evangelische Kirche in Deutschland gründet bundesweit sogenannte Kompetenzzentren, in denen sie Pfarrer und Gemeinden zu einem besseren Dienst für Menschen befähigen will. Hochkarätige Besetzung durch junge Theologen – im Michaeliskloster Hildesheim, wo es um die Qualitätsentwicklung von Gottesdiensten geht, ist auch ein Musiker dabei – das lässt „Mehr“ erwarten. Ein Kompetenzzentrum in Wittenberg befasst sich mit der Verbesserung von Predigten, in Hamburg um die Dialogfähigkeit mit Nichtchristen, zur Einweihung des Zentrums „für Qualitätsentwicklung für Gottesdienst“ in Hildesheim wurden auch zwei Vertreter aus Mosbach eingeladen. Der für Gottesdienste zuständige Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin aus Karlsruhe war auf den Bezirk Mosbach zugekommen: „Niemand in ganz Baden ist an diesem Thema so nahe dran, wie Ihr in Mosbach“ lautete seine Botschaft.

Qualitätsentwicklung finden wir in allen bereichen menschlichen Lebens. Nieman möchte gern auf dem Stand von vor 20 Jahren stehen bleiben. Ärzte wollen ihre Arbeit ebenso verbessern wie Ingenieure, die Volkshochschule ebenso wie die Grundschule und das Gymnasium. Autohersteller und Industriekonzerne stecken sich große Ziele, teilweise in wirtschaftlicher Notwendigkeit begründet. Seit etwa 20 Jahren werden in allen Bereichen des Zusammenlebens Zertifizierungen erarbeitet. In der Kirche kennen wir dies aus der Diakonie und dem Bildungswesen. Nun auch im Gottesdienst und in den Gemeinden, und mancher wird kritisch fragen: Wird da nicht zu viel Betriebswirtschaft in den Glauben hinein gelesen?

Die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenbezirk Mosbach sind von sich aus auf die Idee gekommen: Wir wollen dass es gedeiht und blüht, was bei uns schon gewachsen ist. Als Symbol haben sie die Pfingstrose gewählt, eine pralle, farbenprächtige und dicht gefüllte Blüte. So soll es bei uns sein. Davon träumen wir. Wir suchen nach einem Weg zu diesem Ziel. Die Kirchenleitung durch Synode und Oberkirchenrat hat diesen Impuls aufgenommen und in der Visitation vergangenes Jahr offiziell vereinbart, dass dieses Anliegen sinnvolles ist. Damit wurde bereits das erste „Gütesiegel“ erteilt.

Das Kompetenzzentrum in Hildesheim, das den Kirchenbezirk künftig begleiten wird, hat zu seiner Eröffnung ein Symposium veranstaltet, zu welchem Vertreter der Qualitätsentwicklung aus allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens eingeladen waren. Und einhellig stimmten die Fachleute darin überein: Eine Verbesserung menschlicher Arbeit kann nie von den Führungskräften und den Chefs einer Firma aufgezwungen werden. Qualität entsteht dort, wo bei den Mensche eine Sehnsucht gewachsen ist, sich selbst weiter zu entwickeln.

Der Kirchenbezirk Mosbach ist also auf dem richtigen Weg. Und er wird gute Begleiter finden. Ein erster Schritt wird eine Tag der Gespräche und des Austausches sein, zu dem Mitarbeiter aus unserer Region eingeladen werden. Egal in welcher Weise jemand im Gottesdienst aktiv wird, ob er den Blumenschmuck bringt, die Orgel spielt oder sonst wie musiziert, eine Lesung übernimmt oder predigt und betet: alle Mitarbeiter im Gottesdienst sollen Hilfe und Anregungen von diesem Tag bekommen, der am 9. Oktober in Schefflenz stattfinden wird. Dabei sind zwei Professoren der Universität Heidelberg, Vertreter des Evangelischen Oberkirchenrats, ein Dramaturg und mehrere Fachleute aus dem Kirchenbezirk. Und Gott selbst wird ein Auge darauf haben und – vielleicht – auch den Duft der Pfingstrose genießen. Denn so lautet der Predigttext am ersten März-Sonntag: „Gott zu einem lieblichen Geruch“.

27 Februar 2010

Als Christ Politiker sein - Zur Freiheit befreit

Der Ökumenische Männertreff in der Mosbacher Waldstadt hat sich dieses Jahr ein Thema von übergeordneter Bedeutung vorgenommen. „Was heißt es als Christ Politiker zu sein?“ Auslöser war die niedrige Wahlbeteiligung an der Bundestagswahl: Macht es überhaupt noch Sinn, sich politisch zu betätigen? Worin liegen die Aufgaben, die wir als Christen in der Gesellschaft haben. Lasst uns doch einmal Menschen fragen, die sich bewusst als Christen in politischen Ämtern verstehen. In den kommenden acht Wochen werden vier Vertreter der großen Politischen Parteien befragt: Für die CDU Minister Peter Hauk (17. März), für die Grünen Christine Denz (14. April), für die SPD MdL Georg Nelius (31. März). Zum Auftakt wird am kommenden Mittwoch (3. März) Dr. Klaus Ludwig Rede und Antwort stehen zu der Frage: „Zur Freiheit befreit - jüdisch-christliche Werte in der FDP. Traditionell werden die Männertreffs auch von Frauen mit besucht. Die Abende beginnen jeweils um 20 Uhr im Gemeindezentrum in der Tarunstrasse 1, Mosbach-Waldstadt.
Ihm habe ich drei Fragen gestellt:

Herr Dr. Ludwig, worin liegt für Sie der höchste „Wert" des Christentums?

Dr. Klaus Ludwig: Im Johannes 13,34: Ein neues Gebot gebe ich Euch, dass Ihr euch einander liebt, wie Ich Euch geliebt habe, damit auch Ihr geliebt werdet.

Für mich die Quint Essens der Botschaft Jesu Christi an uns.

PS: Dies ist auch mein bewusst gewählter Konfirmandenspruch.
Martin Sommer: Wo sehen sie als Christ die Stärken Ihrer Partei?

Dr. Klaus Ludwig: In den sowohl Liberalismus als auch Christentum ureigensten Werten: Beide schaffen Freiheit in der Welt, nehmen den Menschen in Würde an, und verhelfen ihm so zu seinem Recht und verhindert denen Verabsolutierung. Jedoch erst die enge Verbindung von Liberalismus und Kirche führt zur Möglichkeit eines richtigen Freiheitsbegriffs.

Martin Sommer: Welche persönlichen Erfahrungen verbinden Sie mit Theologie und christlicher Kirche?

Dr. Klaus Ludwig: Theologie ist für mich eine immerwährende freudvolle Auseinandersetzung auf theoretischer Ebene mit den grundlegenden Fragen des Menschseins und der Frage nach Gott. Mit der Christlichen Kirche verbinde ich zumeist angenehme Erfahrungen von Gemeinschaft und Geborgenheit, gleichgültig ob in den Gottesdiensten oder Veranstaltungen meiner evangelischen Heimatgemeinde, oder auch jenen des katholischen Standortgeistlichen während meiner Militärzeit. Wohl gefühlt habe ich mich auch in den Gottesdiensten der freikirchlichen Gemeinden in meiner Studentenzeit.

Bericht: Freiheit und Verantwortung sind nach Dr. Klaus Ludwig die höchsten Guter einer liberalen Gesellschaft. Der Mosbacher Arzt und Kreisrat der FDP referierte beim ökumenischen Männertreff der Mosbacher Waldstadt vor einer großen Zuhörerschar. Dabei musste er sich auch kritischen Fragen stellen, etwa nach der Kopfpauschale im Gesundheitswesen. Es gelang ihm, die provozierenden Äußerungen des Bundesvorsitzenden zur Arbeitspolitik in den Rahmen bürgerlicher Wertvorstellungen zu setzen, welcher Arbeitsverweigerung und Null-Bock-Mentalität ein Gräuel sind. Zustimmung erntete er mit seinen nachdenklicheren Vorschlägen, die zum politischen Grundbestand seiner Partei gehören: Die Vereinfachung des Steuersystems bedeute Steuerbefreiung für den Niedriglohn-Bereich; ein „Bürgergeld“ für Menschen, die beispielweise ganz für ihre Kinder da sein wollten und deshalb freiwillig aus der Erwerbsarbeit ausscheiden, lasse sich durch Umlagen finanzieren.

Dass er die Leistungen des Staates vor allem in den Bereich von Straßenbau und Medizin lenken wollte, wurde von Pfarrer Sommer mit dem Hinweis auf die biblische Tradition ergänzt: Dort sei die Steuer vor allem für den Schutz von Witwen und Weisen, also im sozialen Bereich eingesetzt worden. Theologisch holte Dr. Ludwig weit aus: In der vollkommen freien Entscheidung Gottes, sich als Mensch auf Erden zu zeigen, liege die religiöse Wende zur Humanität; die Rede vom Menschen als Ebenbild Gottes drücke die Würde des Menschen aus: Den jüdisch-christlichen Wert, der unaufgebbar sei. Angefochten und zerbrechlich sei er durch das Recht zu schützen. Dabei ging der Referent allerdings davon aus, dass grundsätzlich jeder Mensch „zum Wohl aller bindungswillig“ sei.

06 Februar 2010

Narrenpredigt Hebräer 4, 12-13

Das Wort Gottes ist lebendig,
weil es schafft, was man nicht rafft,
wenn man in den Spiegel gafft
es hat eine große Kraft.

Es durchdringt unsre Gedanken,
sagt was Seele ist, was Geist,
lässt Ideologien wanken,
dass man weiß, was Wahrheit heißt.

Nichts kann sich vor ihm verbergen,
es ist geistig, in uns drin.
Es verbindet Gottes Augen
mit dem eignen Menschen-Sinn.

Deshalb kann es in uns denken,
in uns wirken, in uns sein,
Worte wandeln, Worte lenken,
Witz und Wirken Maßstab sein.

Es macht Ernst mit gutem Leben,
mit Gerechtigkeit und Streben.
Wenn wir Rechenschaft ihm geben,
und vor Gottes Antlitz stehen,
wenn am Ziel ist unser Streben,
werden wir vor Staunen beben,
und die Antwort selber sehen.
Nichts kann dann vor ihm bestehen.
Feigenblätter fallen ab,
Stolz und Hochmut sinkt ins Grab,

Purpur, Gold und Prahlerei
gilt als dumme Narretei.

Dann ist alles Fragen aus
und die Wahrheit kommt heraus:

Zweischneidig ist das Gotteswort,
spießt auf die Torheit und den Tort.

weiter ... ...

29 Januar 2010

vor Ostern

… was bleiben will, muss sich ändern
… glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht
… ein feste Burg ist unser Gott

Wissen Sie, welcher dieser Sätze aus der Bibel stammt?
Den Geist der Heiligen Schrift atmen sie alle.
Glaube ist das Lebenselixier der Religion.

Wenn im Frühling etwas Neues aufbricht,
wenn im Sommer die Hitze überhand nimmt,
wenn die Kinder ihren Schulabschluss machen,
wenn Menschen von uns gehen, umziehen, sterben,
Glaube ist etwas Beständiges, spricht uns Gottes Nähe zu, holt sie zu uns heran, hilft uns zu innerer Stärke, Beständigkeit, verleiht Identität.

Glaube ist die Zuversicht, dass bei allem Wandel eines beständig ist.
Glaube trägt über den Wandel hinaus und durch den Wandel hindurch.

Der Glaube entsteht merkwürdigerweise in der Ohnmacht. Wir sollten meinen, er entstünde als Reaktion auf etwas Wunderbares und Starkes. Das geschieht gewiss auch. Aber ebenso oft entsteht er als ein Notschrei, ein Ruf um Hilfe. Und dann lebt er ganz aus sich - nicht aus mir, sondern außer mir ist er gegründet. Er wird zum Glauben im Augenblick.

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“,
hat Jesus einmal zum Apostel Paulus gesagt.
Nicht gegenwärtig, nicht als Mensch begegnete er ihm.
Im Gebet hat er Jesus erfahren.

Fasnacht

Katholiken tun’s; Protestanten nicht - diese alte Regel gilt schon längst nicht mehr: Landauf, landab beteiligen sich auch evangelische Christen an Fasnacht, Fastnacht, Fasenacht, Fasching oder Karneval, manchmal aus Trotz und im Widerspruch zu unsrer Tradition; meist jedoch mit einem großzügigen Augenzwinkern, aus evangelischer Freiheit.

Die Kirche hatte immer Schwierigkeiten mit diesem Brauch, der in den 250 Jahre vor der Reformation auf-kam. Noch heute kennt man in der katholischen Kirche ein Verbot für Erstkommunikantinnen und Firmlin-ge, sich an der Fasnacht zu beteiligen. Ihre Ausschweifungen schienen dem Ernst des Glaubens zu wider-sprechen.

Falsch ist allerdings die Theorie vom heidnischen Ursprung der Fasnacht. Sowohl von Freunden wie von Geg-nern der Fasnacht vertreten, ent-sprang sie den Köpfen des National-sozialismus und ist „nicht aus den Köpfen der Menschen zu streichen“, wie der Freiburger Professor Werner Mezger feststellt. Er weist nach, dass die Fasnacht auf das Christentum zurückgeht. Ein römisches „Narren-schiff“ CARRUS NAVALIS als Namens-patron für „Karneval“ gab es in der Sprache der Römer am Limes nicht.

Den Hintergrund bildet das katholische Fronleichnamsfest. So erklärt sich, dass der Protestantismus wenig Interesse daran gezeigt hat. Fron-leichnam wurde von den Reformierten abgelehnt, die den Protestantismus der Kurpfalz prägten; in Zürich begann er gar mit einem provokativen Wurstessen zur Fastenzeit.

„Die Fasnacht ist in erster Linie ein Spiel der verkehrten Welt. An Fasnacht werden die normalen Verhältnisse auf den Kopf gestellt.“ (Franz Götz) Vor dem Ernst der heiligen Fastenzeit stellt sie als Volksschauspiel die Verkom-menheit und Dummheit vor Augen. Ob sich die Fasnacht an die Ergebnisse der Volkskunde hält, oder eigene Wege gehen wird, ist offen; Unter dem Einfluss der neuen Medien leidet auch sie unter dem Traditionsabbruch.

Im Protestantismus hat das Buch des amerikanischen Theologen Har-vey Cox „Das Fest der Narren“ zu einer neuen Bewertung geführt. Er sieht im Hofnarren, der dem Herrscher auf humorvolle Weise den Spie-gel vorhält, ein Abbild des Christi und einen Nachfolger der biblischen Propheten. Hier knüpfen auch evangelische Narrenpredigten an.